Zentrum für Disability Studies (ZeDiS)Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) Das Rauhe Haus Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

Inhalt

Intersektionalität, gesellschaftliche Machtverhältnisse und Wissenschaft

Lehrbeauftragte: Doris Gerbig

Kompaktseminar, Vorbesprechung:  Mi., 11.10., 16.30-18.00 Uhr.

Fr., 10.11.2017, 10.00-17.00 Uhr; Sa., 11.11.2017, 10.00-17.00 Uhr;
Fr., 08.12.2017, 10.00-17.00 Uhr; Sa., 09.12.2017, 10.00-17.00 Uhr.
Alle Termine finden in Raum EG1 der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie, Horner Weg 170, 22111 Hamburg statt.

Intersektionalität ist in Deutschland noch immer wenig beachteter Ansatz im wissenschaftlichen Mainstream. Dieser ist auch in den sogenannten Geisteswissenschaften, durch Theorien geprägt, die sich „objektiv“ überprüfen lassen müssen und darauf abzielen Komplexität zu reduzieren. Leider werden diese zudem meist von Menschen produziert, die die eigene Rolle und Subjektivität in ihrem wissenschaftlichen Tun nicht anerkennen können oder wollen. Auch Gesellschaften, menschliches Verhalten und Machtverhältnisse, sollen objektiv betrachtet, messbar gemacht, analysiert und erklärt werden. Gerne wird in den Wissenschaften dazu von einer Art „machtfreiem“ Raum ausgegangen, in dem alle die gleichen Bedingungen oder Handlungsmöglichkeiten hätten. Phänomene wie soziale Ungleichheit, Rassismus, Sexismus, Ableismus (oder ganz grundsätzlich die Diskriminierung von bestimmten Menschen), „stören“ dabei nur, sowohl in der Theoriebildung als auch im akademischen Selbstverständnis. Genau diese Phänomene sind aber Ausgangspunkt für intersektionales Denken. Noch bevor der Begriff Intersektionalität von der Schwarzen Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw in den 80ern geprägt wurde, haben sich black feminists in den USA der 70er Jahre mit der Verwobenheit und Komplexität von Macht- und Unterdrückungsverhältnissen auseinander gesetzt und setzen müssen. Frauen mit Behinderung haben auch schon in den 80ern auf ihre doppelte Diskriminierung hingewiesen und damit einen wichtigen Beitrag zur intersektionalem Denken geleistet.

Einfache Erklärungen für dauerhaft anhaltende soziale Ungleichheiten tragen nicht, weder in der Tiefe noch in der Breite. Wie eine Person in der Gesellschaft positioniert ist, beeinflusst ihre Handlungschancen, selbst wenn diese Positionierung nicht endgültig und festgeschrieben ist. Die Positionierung selbst ist auch nicht einfach zu bestimmen, denn machtvolle Kategorien basieren aufeinander, verstärken sich, oder überlappen einander, je nach Kontext. So braucht es auch eine Betrachtungsweise, die dem gerecht werden kann.

Intersektionalität als Ansatz und Anspruch, Machtkategorien in ihrer vielseitigen Verwobenheit mit einander zu denken, bietet diese Möglichkeit komplexer Analysen gesellschaftspolitischer Zusammenhänge. So wird es in diesem Seminar darum gehen, Entstehung und Bedeutung von Intersektionalität nachzuvollziehen und dabei die entscheidenden Einsätze von sozialen Bewegungen kennen zu lernen.

Es gilt auch zu hinterfragen, warum so häufig sowohl in gesellschaftlichen Diskursen als auch in der akademischen Wissensproduktion, Normen reproduziert werden, die weder der Vielfalt noch der Komplexität unserer Gesellschaft stand halten. Dafür aber umso giftiger sind, für alle Menschen, die diese Normen nicht erfüllen können oder wollen. Und schließlich gilt es auch zu fragen, was passieren würde, wenn Intersektionalität in einem privilegierten und von weißen nicht-behinderten Menschen dominierten Raum wie den deutschen Universitäten tatsächlich mehr Bedeutung erhalten solle.

 

Anmeldung zur Veranstaltung: Kompaktseminar "Intersektionalität, gesellschaftliche Machtverhältnisse und Wissenschaft"