Zentrum für Disability Studies (ZeDiS)Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) Das Rauhe Haus Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie

Inhalt

Zwischen behindertenpädagogischer Besitzstandswahrung und radikaler Gesellschaftskritik: Inklusion aus Sicht der Disability Studies

Seminarleitung: Nicole Meyer

Vorbesprechung: 19. Oktober, 18.30-20.00 Uhr
Kompakttermine: 25./26. November und 16./17. Dezember, jeweils von 10-00-17.00 Uhr digital via Zoom-Videokonferenz

Die Debatte um Inklusion hat in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 entschieden an Popularität gewonnen. Der aktuelle Diskurs verläuft zwischen der Infragestellung von Inklusion als nicht zu erreichendes Ziel und der appellartigen Versicherung auf gutem Wege oder fast schon am Ziel zu sein. Neben den sozialpolitischen Aspekten werden vor allem die Möglichkeiten der Umsetzung von Inklusion im Bildungssystem im Allgemeinen und im schulischen Bereich im Besonderen kontrovers diskutiert. Zuvor galt Integration etwa drei Jahrzehnte als das dominierende fachliche und sozialpolitische Paradigma bei der Unterstützung behinderter Menschen. Grundlegend für den Integrationsgedanken ist das zwei-Gruppen-Modell von Minderheit und Mehrheit, was stets die Anpassung behinderter Menschen an die Normen und Vorstellungen der nicht-Behinderten Gesellschaft bedeutet. Der Leitgedanke der Inklusion geht hingegen von einer gleichberechtigten Verschiedenheit Aller aus. Bei näherer Betrachtung der Umsetzungsstrategien von Inklusion lassen sich jedoch auch hier widersprüchliche Lesarten ausmachen. Die unterschiedlichen Interpretationen können grob in drei Argumentationsstränge untergliedert werden: Inklusion als radikale Gesellschaftskritik, Inklusion als staatlich aktivistisches Instrument und Inklusion als Geltungsanspruch für die sogenannte Sonderpädagogik.

Zu Beginn des Seminars steht der Entstehungskontext von Inklusion im Mittelpunkt. Im Anschluss daran werden wir uns eingehend mit den oben genannten Lesarten des Inklusionskonzeptes beschäftigen. Ein zentraler Aspekt des Seminars ist es, die verschiedenen Sichtweisen auf Inklusion kritisch zu analysieren, um einen differenzierten Standpunkt in den gegenwärtigen Inklusionsdebatten sowie in der Praxis Sozialer Arbeit einnehmen zu können. Abschließend soll darüber hinaus diskutiert werden, inwieweit es sinnvoll ist auch weiterhin von Inklusion zu sprechen? Denn einerseits geht mit dem Inklusionsbegriff eine wichtige Signalwirkung im Kampf für die Rechte als behindert markierter Menschen einher. Andererseits ist dieser – wie wir sehen werden - zu einem vielgestaltigen Label avanciert.

Die Studierenden setzen sich intensiv mit den widersprüchlichen Perspektiven auf Inklusion auseinander und diskutieren die daraus resultierenden gesellschaftlichen Transformationsprozesse.